Jede Spur erzählt eine Geschichte,
selbst wenn sie bald verblasst.Rebecca Solnit, Schriftstellerin, Journalistin und Kunsthistorikerin
Bewegung hinterlässt Spuren. Nicht immer sichtbar, oft flüchtig – doch nie ganz verloren. In der BURN-IN Ausstellung TANZ DER STILLEN DINGE macht Hannah Kaufmann diese Spuren erfahrbar. Zeichnung, Fotografie, Skulptur – drei Medien, die hier nicht nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig aufladen. Denn Kaufmanns Kunst ist keine bloße Dokumentation von Bewegung, sondern deren Transformaton – eine Spurensicherung im besten Sinne.
In ihren Zeichnungen tastet sie sich an die Choreografie des Alltäglichen heran: Wege, die immer wieder gegangen werden, verdichten sich zu feinen Linien, Bewegungen zu gespeicherten Erinnerungen. Ihre Fotografien halten nicht nur den Moment fest, sondern verdichten Zeit, machen den Stillstand zur Bewegung in der Vorstellung. Ihre Skulpturen? Sie bringen Bewegung in den Raum, setzen das Volumen der Körper, die sie berühren, als unsichtbare Präsenz fort.
Padé püree nennt Kaufmann eine ihrer Werkgruppen – eine Hommage an die Flüchtigkeit des Moments. Zeit und Raum überlagern sich, Objekte übernehmen die Hauptrolle, werden zum Knotenpunkt von Geschichte und Gegenwart. Die Jeansserie wiederum erzählt von biografischer Transformation: Stoffe, die nicht mehr passen, markieren Identität, Wachstum und Wandel. Fellarbeit spürt der Sinnlichkeit der Berührung nach – der taktilen Erinnerung, die in den Fasern eines Gewebes gespeichert bleibt.
Die Ausstellung ist kein statisches Konstrukt, sondern ein beweglicher Kosmos. Die räumliche Inszenierung spielt dabei eine zentrale Rolle: Eine raumhohe textile Skulptur erzeugt eine physische Präsenz, die spürbar wird. Kleidungsstücke schweben scheinbar schwerelos als Echo vergangener Bewegungen. Die Objekte in Kaufmanns Werk treten in Dialog miteinander, mit dem Raum und mit den Betrachtenden, die eingeladen sind, ihre eigene Wahrnehmung von Bewegung und Stille zu hinterfragen. Stets bleibt das Berühren ein Verlangen, das den Moment durchzieht.
TANZ DER STILLEN DINGE ist eine poetische Reflexion über das Unsichtbare im Sichtbaren, über die Resonanz des Vergangenen im Jetzt. Hannah Kaufmann dokumentiert nicht nur Bewegung – sie macht spürbar, dass wir selbst in unserer vermeintlichen Unbewegtheit fortwährend Spuren hinterlassen. Sie lässt die Dinge nicht nur tanzen – sie bringt sie zum Sprechen.
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Einladung zum anderen BUSINESS-MEETING - fixer Termin: 10.4.2025, ab 15 Uhr, oder nach Vereinbarung
Vernissage
BURN-IN lädt zur Ausstellungseröffnung am 13. März 2025 18 Uhr.
Location
BURN-IN Galerie im Gerngross 2. OG | 1070 Wien, Mariahilfer Straße 42-48
#KunstTRANSFER
Bewegung als Prozess - Kunst als Spur.
Alles ist in Bewegung. Selbst dort, wo wir es nicht erwarten. In meiner Arbeit als Gründerin von BURN-IN suche ich nach Kunst, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird – Kunst, die Zeit nicht einfriert, sondern sichtbar macht, wie sie sich in unser Bewusstsein einschreibt. Hannah Kaufmann gelingt genau das. Sie macht Bewegung spürbar – als Spur, als Schatten, als Abdruck in der Zeit, der erst in der Rückschau erkennbar wird. Ihre Arbeiten kartografieren Abläufe, die uns entgangen sind, halten fest, was sich schon verflüchtigt hat. Genau hier setzt BURN-IN an – an der Schnittstelle zwischen Kunst, Raum und Bewusstsein. Denn Kunst ist nie nur Oberfläche. Sie ist ein Code, der erst entschlüsselt werden muss.
Nachhaltigkeit ist für mich nicht nur eine Frage von Materialien – es geht um Prozesse, um Transformation. Kaufmanns Werke zeigen, wie Bewegung zur Erinnerung wird, wie Berührungen sich in Materialien einschreiben und fortwirken. GreenART bedeutet für BURN-IN, weiterzudenken: Welche Ressourcen nutzen wir? Welche Werte prägen uns? Welche Spuren bleiben bestehen? Hannah Kaufmann und ich teilen eine Haltung: Kunst verändert sich mit ihren Betrachtenden – sie fordert heraus, irritiert, provoziert. Und bleibt.
In der Ausstellung TANZ DER STILLEN DINGE wird dieser Dialog zwischen Vergänglichkeit und Präsenz sichtbar. Die Inszenierung selbst ist eine Spurensuche: Zeichnungen kartografieren nicht nur Wege, sondern auch die Erinnerungen, die in ihnen eingeschrieben sind. Fotografien halten Bewegung fest, die eigentlich weitergehen will. Skulpturen besetzen den Raum, sie laden zur Annäherung ein – manchmal nur mit den Augen, manchmal mit einer Berührung. Es sind Werke, die uns dazu bringen, nicht nur zu schauen, sondern in ihnen zu lesen. Denn Kunst ist kein Stillstand. Sie ist ein Prozess, der fortgeschrieben werden will.